KI lokal oder in der Cloud: Die Daten entscheiden.
Ob die KI Ihrer Praxis auf einem eigenen Rechner oder im Rechenzentrum eines Anbieters läuft, ist in Datenschutzfragen massgeblich. Die Sensibilität der verarbeiteten Daten ist entscheidend für den gewählten Verarbeitungsprozess.
«Der Server steht in der Schweiz, also ist das datenschutzkonform.» Mit diesem Satz werben manche KI-Angebote für Arztpraxen. Er beantwortet die falsche Frage. Der Standort sagt, wo Daten liegen. Er sagt nicht, wer sie lesen kann.
Wer eine KI für die Praxis wählt, braucht die Antwort auf zwei andere Fragen. Wo rechnet die KI? Welche Daten bekommt sie zu sehen?
Wo die KI rechnet, bestimmt den Weg Ihrer Daten
Nehmen wir einen Bericht an die IV. Bei der Cloud-Lösung erfasst die Ärztin ihre Stichworte am Praxis-PC. Der Text geht über das Internet in das Rechenzentrum des Anbieters. Dort schreibt ein grosses Sprachmodell den Entwurf und schickt ihn zurück. Der Bericht hat die Praxis verlassen, wenn auch nur für Sekunden.
Bei der lokalen Lösung, auch "On-Premises" genannt, steht der Rechner mit dem Sprachmodell in der Praxis. Die Stichworte gehen vom Praxis-PC an diesen Rechner und von dort zurück. Der Bericht verlässt die Praxis nicht.
Man kann es mit dem Labor vergleichen. Die Cloud ist das externe Labor: Die Probe verlässt die Praxis, die Ausstattung ist grösser, ein Vertrag regelt den Umgang. Die lokale Lösung ist das Praxislabor: Alles bleibt im Haus, das Spektrum ist kleiner, Wartung und Sicherheit liegen bei Ihnen.

Ein Hinweis aus der Praxis: Ein Programm, das auf dem Praxis-PC installiert ist, kann Texte trotzdem zur Verarbeitung in ein Rechenzentrum schicken. Fragen Sie deshalb nicht, wo das Programm installiert ist. Fragen Sie, wo die KI rechnet.
Beide Wege haben Stärken und beide haben Grenzen
Die Cloud bietet die grössten und aktuellsten Modelle. Sie liefert Ergebnisse in Sekunden, braucht keine eigene Hardware und wird vom Anbieter gewartet. Bezahlt wird laufend, je nach Angebot pro Nutzung oder als Abo, statt einmalig für eigene Hardware. Ihre Grenzen: Ohne Internet steht sie still und Ihre Daten verlassen die Praxis. Daran ändert auch ein Serverstandort in der Schweiz nichts.
Die lokale Lösung hat die umgekehrte Bilanz. Die Patientendaten bleiben im Haus und die KI arbeitet auch bei einer Internetstörung weiter. Dafür sind die Modelle kleiner und, je nach Hardware, langsamer. Anschaffung, Einrichtung und Unterhalt kosten Geld. Und die Datensicherheit nach Art. 8 DSG liegt ganz bei Ihnen: Updates, Zugriffsschutz, Sicherungskopien. Lokal ist also nicht automatisch sicher. Es ist nur kein Cloud-Anbieter beteiligt. Wer den Rechner fernwartet oder Sicherungskopien ausser Haus lagert, braucht ebenfalls eine klare Regelung.
Die Langsamkeit spielt bei vielen Aufgaben keine Rolle. Ein Berichtsentwurf muss nicht in drei Sekunden fertig sein. Er muss am nächsten Morgen bereitliegen. Ein System, das nachts die Dokumente des Tages vorbereitet, ist um acht Uhr fertig. Lokal lohnt sich deshalb wegen der Daten, nicht wegen des Preises.

Welche Daten die KI sieht, entscheidet den Weg
Gesundheitsdaten sind nach dem Datenschutzgesetz besonders schützenswert. Zusätzlich gilt das Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB. Der Begriff reicht weiter, als viele denken: Schon der Name einer Patientin im Zusammenhang mit Ihrer Praxis gilt als Gesundheitsdatum, wie ein Leitfaden aus der KI-Sandbox des Kantons Zürich festhält.
Daraus ergeben sich drei Fälle. Erstens Texte ohne Personendaten, etwa ein Merkblatt zur Grippeimpfung in einfacher Sprache. Hier ist die Cloud mit einem geprüften Geschäftskonto meist der pragmatische Weg. Zweitens Personendaten ohne Bezug zu Patienten, etwa Dienstpläne oder Korrespondenz mit Lieferanten. Hier ist die Cloud möglich, wenn ein Auftragsbearbeitungsvertrag vorliegt, Standort und Unterauftragsbearbeiter offengelegt sind und Ihre Daten nicht für das Training genutzt werden. Gratisversionen scheiden damit aus. Drittens alles mit Patientenbezug, vom Bericht bis zur Terminerinnerung. Hier ist die lokale Lösung die erste Wahl. Auch die FMH empfiehlt, lokal betriebene oder kontrollierte Modelle zu bevorzugen. Für eine Cloud verlangt das Berufsgeheimnis zusätzliche Vorkehrungen: Der Anbieter darf technisch nicht mitlesen können, oder er muss vertraglich wie eine Hilfsperson der Praxis eingebunden sein. Das ist aufwändig und im Einzelfall rechtlich zu prüfen.
Bleibt die Idee, Namen vor dem Versand einfach zu ersetzen. Ein lokales Programm kann identifizierende Angaben weitgehend entfernen, in einer Studie mit echten Arztbriefen zu 99,24 Prozent. Doch ein Code statt des Namens ist noch nicht anonym, solange die Praxis eine Liste führt, die Code und Person verbindet. Die Daten bleiben Personendaten. Weniger Daten herauszugeben ist trotzdem richtig. Es ersetzt nur nicht die Wahl des richtigen Wegs.
Drei Schritte für Ihre Praxis
Für einen fundierten Entscheid brauchen Sie keine IT-Abteilung. Erstens: Listen Sie auf, welche KI Ihr Team heute nutzt, offiziell oder inoffiziell, und wofür. Zweitens: Ordnen Sie jede Anwendung einem der drei Fälle zu. Drittens: Legen Sie pro Anwendung fest, ob sie in der Cloud oder lokal läuft, und halten Sie den Entscheid schriftlich fest.
Bei der nächsten Offerte wissen Sie dann, welche Frage zuerst kommt: Wo rechnet die KI und wer kann mitlesen?
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Quellen
FMH: Empfehlungen der FMH zum Umgang mit grossen Sprachmodellen (LLMs) im ärztlichen Alltag. https://www.fmh.ch/themen/ehealth/trends-neue-technologien/generative-ki/empfehlungen-der-fmh.cfm
Kanton Zürich, Innovation-Sandbox für KI: KI in der medizinischen Dokumentation, Kapitel 2: Datenschutz, Berufsgeheimnis und die Cloud. https://www.zh.ch/de/wirtschaft-arbeit/wirtschaftsstandort/innovation-sandbox/phase-ii/medizinische-dokumentation/2-datenschutz-berufsgeheimnis-und-die-cloud.html
Deidentifying Medical Documents with Local, Privacy-Preserving Large Language Models: The LLM-Anonymizer. NEJM AI, 2025. https://ai.nejm.org/doi/full/10.1056/AIdbp2400537
Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG, SR 235.1), Art. 5, 8, 9. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2022/491/de
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.



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