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KI-Kompetenz: Das Tool ist nicht das Problem.

  • 9. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Aug.

Die Einrichtung eines neuen KI-Tools ist nur der erste Schritt, die Befähigung des Personals entscheidet über dessen Nutzen.


Zwei Mitarbeitende nutzen es für alles, auch für Aufgaben, für die es nie gedacht war. Zwei fassen es nicht an, weil sie ihm nicht trauen. Die Praxisleitung sieht eine Rechnung, aber keinen klaren Effekt. Und: Niemand im Team könnte auf Nachfrage erklären, wie dieses System eigentlich zu seinen Antworten kommt.


Beide Gruppen handeln aus demselben Grund: Es wurde ihnen nie vermittelt, was dieses Werkzeug kann und wo die Möglichkeiten aufhören. Das ist kein Technologieproblem, sondern eine Kompetenzlücke.


Die gute Nachricht vorweg: Diese Lücke lässt sich schliessen, und zwar ohne IT-Projekt. Was dafür nötig ist, hat einen Namen: KI-Kompetenz, in der Forschung als «AI Literacy» beschrieben. Was das genau ist und was Ihre Praxis oder Ihre Geschäftsstelle konkret davon hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.


KI-Kompetenz heisst nicht, KI bedienen zu können


Die gängige Definition beschreibt AI Literacy als die Fähigkeiten, die Menschen brauchen, um in einem von KI geprägten Umfeld zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Das klingt abstrakt, meint aber drei sehr konkrete Dinge.


Erstens ein technisches Grundverständnis: zu wissen, dass diese Systeme auf statistischen Wahrscheinlichkeiten beruhen und nicht auf gesichertem Wissen —deshalb können sie überzeugend formulieren, was sachlich falsch ist. Zweitens den rechtlichen Rahmen: zu verstehen, welche Daten in welches Tool dürfen und welche nicht. Drittens die Folgenabschätzung: einordnen zu können, was der Einsatz für Patientinnen, Mitarbeitende, die eigene Reputation, aber auch die Gesellschaft an sich bedeutet.


Der wichtigste einzelne Punkt darin ist eine Unterscheidung, die im Alltag fast nie gemacht wird: Automation oder Augmentation. Automation heisst, einen Arbeitsschritt vollständig an die KI abzugeben. Augmentation bedeutet hingegen, den Schritt zwischen Mensch und Maschine aufzuteilen, sodass beide ihre Stärken einbringen:  die KI liefert den Entwurf, der Mensch prüft, korrigiert und verantwortet.


Diese Unterscheidung ist nicht akademisch. Das Stanford Digital Economy Lab wertete im November 2025 Lohndaten des US-Anbieters ADP aus und fand bei 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen einen relativen Beschäftigungsrückgang von rund 16 Prozent. Entscheidend ist aber die zweite Hälfte des Befunds: Der Rückgang trat dort auf, wo KI Arbeit ersetzt. In Berufen, in denen KI die Arbeit ergänzt, wuchs die Beschäftigung.


Nicht die KI kostet Stellen. Der Umgang mit ihr tut es.


Auch in der Schweiz ist das längst keine Zukunftsfrage mehr


Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass rund 40 Prozent aller Arbeitsplätze weltweit von KI berührt sind. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie der Schweiz sind es etwa 60 Prozent, weil hier mehr Wissens- und Informationsarbeit anfällt.


Das Swiss eHealth Barometer 2026, erhoben von gfs.bern, zeigt, wie die Branche darauf blickt: 84 Prozent der befragten Gesundheitsfachpersonen können sich vorstellen, Routineaufgaben künftig mit KI zu automatisieren. Der Bericht zieht daraus einen bemerkenswert klaren Schluss: Der Nutzen von KI hänge direkt von ausreichender Kompetenz ab und ohne gezielte Weiterbildung blieben die Potenziale unausgeschöpft.


Die FMH sieht das ähnlich. In ihren Empfehlungen zum Umgang mit grossen Sprachmodellen hält sie fest, dass Ärztinnen und Ärzte solche Systeme nur dort einsetzen sollen, wo sie fachlich in der Lage sind, Fehler zu erkennen und die Antwortqualität zu beurteilen. Ohne Kompetenz kein Einsatz. So knapp lässt es sich zusammenfassen.


Dazu kommt eine Pflicht, die viele noch nicht auf dem Radar haben. Artikel 4 des EU AI Act verlangt seit dem 2. Februar 2025, dass Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden sicherstellen. Die Bestimmung gilt extraterritorial und kann Schweizer Betriebe erfassen, sobald ein EU-Bezug besteht. Wer seinem Team KI-Tools zur Verfügung stellt oder deren Nutzung duldet, muss es also nachweisbar befähigen.


Was Ihre Organisation konkret gewinnt


Erstens: Übersicht und Transparenz. Sobald ein Team versteht, wo die Grenzen liegen, hört die stille Nutzung privater Gratis-Tools auf. Sie erfahren, was in Ihrem Betrieb tatsächlich läuft. Das ist die Voraussetzung dafür, den Datenschutz überhaupt sauber aufstellen zu können.


Zweitens: Nutzen, der sich belegen lässt. Ein geschultes Team erkennt selbst, für welche Aufgaben KI sich lohnt und welche nicht. Statt eines Tools, das die einen überstrapazieren und die anderen meiden, entstehen wenige, klar definierte Anwendungen mit messbarer Zeitersparnis. Für Verbandsgeschäftsstellen liegt dies beispielsweise oft in der Textarbeit: Vernehmlassungsantworten, Mitgliederkommunikation, Übersetzungen in die Landessprachen.


Drittens: ein Team, das wertvoller wird statt ersetzbar. Wer KI nur bedient, macht sich selbst entbehrlich. Wer sie steuert, prüft und verantwortet, steigert die eigene Wertschöpfung. Genau diese Haltung entscheidet nach heutiger Datenlage darüber, ob Stellen wegfallen oder entstehen.


Und ein vierter Effekt kommt gratis dazu: Die Angst vor der Technologie nimmt ab. Die Forschung beschreibt diese «AI Anxiety» als verbreitete Reaktion auf den Wandel — und den Aufbau von KI-Kompetenz als das wirksamste Mittel dagegen.


Die Rechtslage, die Datenlage und die Empfehlungen der eigenen Standesorganisation zeigen alle in dieselbe Richtung. Nicht das nächste Tool entscheidet über den Nutzen von KI in Ihrer Organisation, sondern die Kompetenz der Menschen, die es bedienen.


Bereit für einen Austausch? Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch: www.felber-advisory.ch/kontakt. Gemeinsam schauen wir an, wo Ihr Team heute steht, welche Kompetenzen konkret fehlen und wie eine Schulung aussieht, die in Ihren Arbeitsalltag passt.


Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.


Quellen


 
 
 

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